animus iniurandi

Beleidigungsvorsatz

Auf Ehrverletzung gerichteter Vorsatz; subjektiver Tatbestand der Beleidigung im Sinne des § 185 StGB. Bedingter Vorsatz genügt.

Etymologie

Lateinisch: animus = Wille, Geist; iniurandi (Gerundium zu iniuria) = des Beleidigens, zu beleidigen. Stammt aus der römischen actio iniuriarum, der klassischen Klage wegen Persönlichkeitsverletzung.

Juristische Bedeutung

Der animus iniurandi war im römischen Recht zentrale Voraussetzung der actio iniuriarum: Nur wer mit Beleidigungswillen handelte, haftete. Im modernen deutschen Strafrecht entspricht ihm der Vorsatz hinsichtlich der ehrverletzenden Kundgabe (§ 185 StGB i.V.m. § 15 StGB). Dolus eventualis reicht aus; die Tat muss als Missachtung erkannt und gewollt sein. Davon zu trennen ist die Frage der Rechtswidrigkeit, die durch § 193 StGB (Wahrnehmung berechtigter Interessen) entfallen kann.

In der Klausur

Standard in Klausuren zu § 185 StGB. Zwei Schritte: (1) Kundgabe einer ehrverletzenden Bewertung, (2) Vorsatz hinsichtlich Kundgabe und Ehrverletzung. Anschließend Rechtfertigung über § 193 StGB prüfen.

Beispielsfall

Beleidigung im Streit

Im Streit nennt T den N öffentlich einen 'Lügner'. T weiß, dass dies die Ehre des N verletzt, will das aber gerade.

Losungsskizze

Objektiver Tatbestand § 185 StGB erfüllt (ehrverletzende Kundgabe). Vorsatz (animus iniurandi) liegt vor — T handelt mit direktem Vorsatz hinsichtlich der Ehrverletzung. § 193 StGB greift mangels berechtigtem Interesse nicht.

Verwandte Begriffe

Verwandte Normen

Theorie verstanden — jetzt anwenden.

Du verstehst animus iniurandi — jetzt teste dich selbst. Lade dein nachstes Gutachten hoch und bekomme strukturiertes Feedback.