Juristisches Latein
consilium fraudis
Betrugsabsicht, Gläubigerbenachteiligungsabsicht
Subjektive Voraussetzung der Gläubigeranfechtung: Vorsatz des Schuldners, Gläubiger zu benachteiligen. Zentral in § 3 AnfG und § 133 InsO.
Etymologie
Lateinisch: consilium = Plan, Absicht, Vorhaben; fraudis (Genitiv zu fraus) = des Betruges, der Arglist. Aus dem römischen actio Pauliana, der Vorläuferklage zur Gläubigeranfechtung.
Juristische Bedeutung
Bei der Vorsatzanfechtung nach § 3 I AnfG bzw. § 133 I InsO muss der Schuldner mit dem Vorsatz gehandelt haben, seine Gläubiger zu benachteiligen — das consilium fraudis. Der Anfechtungsgegner muss diesen Vorsatz gekannt haben. Bedingter Vorsatz genügt nach Rspr.; Kenntnis kann durch Indizien (Zahlungsunfähigkeit, Verwandtschaft) vermittelt werden (vgl. BGH IX ZR 65/14).
In der Klausur
Klausurschwerpunkt im Insolvenz- und Vollstreckungsrecht. Pflichtprüfung:
- (1)anfechtbare Rechtshandlung,
- (2)Gläubigerbenachteiligung,
- (3)consilium fraudis des Schuldners,
- (4)Kenntnis des Anfechtungsgegners.
Beispielsfall
Vermögensübertragung vor Insolvenz
S überträgt kurz vor seiner Insolvenz sein einziges Grundstück unentgeltlich auf seinen Bruder B, um es dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen.
Lösungsskizze
Anfechtbar nach § 133 InsO: Vorsatz des S (consilium fraudis) liegt vor — Gläubigerbenachteiligung war gewollt. B als naher Angehöriger kannte die Umstände vermutet (§ 133 II InsO). Der Insolvenzverwalter kann das Grundstück zurückverlangen.
Verstanden. Jetzt anwenden.
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