Juristisches Latein

casus mixtus

gemischter Zufall

Verschärfte Zufallshaftung: Wer pflichtwidrig handelt, haftet auch für zufällige Folgen, die ohne den Pflichtverstoß nicht eingetreten wären.

Etymologie

Lateinisch: casus = Zufall, Vorfall; mixtus = vermischt (Partizip Perfekt zu miscere = mischen). Begriff aus dem gemeinen Recht; bezeichnet die Vermischung von Zufall und schuldhaftem Vorverhalten.

Juristische Bedeutung

Der casus mixtus cum culpa erweitert die Haftung des pflichtwidrig Handelnden auf den zufälligen Schadenseintritt. Anwendung findet er im BGB v. a. in § 287 S. 2: Der Schuldner im Verzug haftet auch für Zufall, soweit der Schaden nicht ebenfalls bei rechtzeitiger Leistung eingetreten wäre. Verwandte Regelung bei der unbefugten Inbesitznahme.

In der Klausur

Klassischer Anwendungsfall im Schuldrecht AT bei Schuldnerverzug und § 287 BGB. Zwei Schritte:

  1. (1)Pflichtwidrigkeit/Verzug bejahen,
  2. (2)Reserveursachen-Einrede des Schuldners prüfen.

Beispielsfall

Verzogener Pferdetransport

V soll dem K am 1.6. ein Pferd liefern, kommt aber in Verzug. Am 5.6. erkrankt das Pferd in V's Stall an einer dort grassierenden Seuche und stirbt.

Lösungsskizze

Nach § 287 S. 2 BGB haftet V auch für den zufälligen Untergang, da er sich im Verzug befand. Entlastung nur, wenn er beweist, dass der Schaden auch bei rechtzeitiger Leistung beim K eingetreten wäre.

Verstanden. Jetzt anwenden.

Du kennst casus mixtus. Lade dein nächstes Gutachten hoch und sieh, ob du den Begriff auch dort sauber setzt.