ubi eadem ratio, ibi eadem lex
Wo dieselbe ratio, dort dasselbe Gesetz
Grundsatz der Analogie: Wo der Normzweck gleich ist, soll auch dieselbe Rechtsfolge gelten. Methodische Rechtfertigung der Analogiebildung in der Rechtsfortbildung.
Etymologie
Lateinisch: ubi = wo; idem = derselbe; ratio = Grund, Vernunft; ibi = dort; lex = Gesetz. Maxime der gemeinrechtlichen Methodenlehre, eng verbunden mit der Lehre vom argumentum a simili.
Juristische Bedeutung
Die Maxime ist die methodische Grundlage der Analogie: Bei planwidriger Regelungslücke und gleicher Interessenlage darf die Rechtsfolge einer Norm auf einen nicht ausdrücklich geregelten Sachverhalt übertragen werden. Voraussetzungen sind regelmäßig: planwidrige Lücke, vergleichbare Interessenlage, identische ratio legis. Im Strafrecht analoge Anwendung zu Lasten des Täters durch Art. 103 II GG, § 1 StGB ausgeschlossen.
In der Klausur
Pflichtwissen für jede Klausur mit Analogiebildung. Schema: planwidrige Regelungslücke, vergleichbare Interessenlage, ratio der Norm. Klassische Beispiele: § 463 BGB a.F. analog vor der Schuldrechtsreform, Analogien im Sachenrecht, im Bereicherungsrecht. Im Strafrecht stets Analogie zu Lasten des Täters problematisieren.
Beispielsfall
Analoge Anwendung im Bereicherungsrecht
Im konkreten Fall greift § 812 I 1 Alt. 1 BGB nach seinem Wortlaut nicht, weil die Leistungsbeziehung nicht passt. Der Gesetzgeber hat diese Konstellation aber ersichtlich nicht bedacht.
Losungsskizze
Liegen planwidrige Lücke und vergleichbare Interessenlage vor, kann § 812 BGB analog angewandt werden — ubi eadem ratio, ibi eadem lex. Voraussetzung ist eine sorgfältige Begründung der Vergleichbarkeit; ohne sie wäre die Analogie unzulässige Rechtsfortbildung.
Verwandte Begriffe
Verwandte Normen
Theorie verstanden — jetzt anwenden.
Du verstehst ubi eadem ratio, ibi eadem lex — jetzt teste dich selbst. Lade dein nachstes Gutachten hoch und bekomme strukturiertes Feedback.